Im strömenden Regen von London spendeten die BVB-Fans ihren Spielern aufmunternden Applaus: Borussia Dortmund hat im Kampf um den direkten Einzug ins Champions-League-Achtelfinale einen harten Rückschlag kassiert. Beim kriselnden Europa-League-Sieger Tottenham Hotspur verlor der Tabellenzweite der Bundesliga in Unterzahl mit 0:2 (0:2). Die Tore für die vor allem in der ersten Hälfte furiosen Spurs erzielten Cristian Romero (14. Minute) und Dominic Solanke (37.).

Nach einer Roten Karte für Daniel Svensson (24.) musste die Borussia mehr als eine Stunde mit zehn Spielern auskommen. Vor dem letzten Spiel der Ligaphase in der kommenden Woche gegen Inter Mailand deutet sehr vieles darauf hin, dass der BVB für die Runde der besten 16 Teams den Umweg über die Playoffs nehmen muss. Mit elf Punkten liegt Dortmund aktuell auf Rang zwölf. Die besten acht Mannschaften ziehen direkt ins Achtelfinale ein. Für die Playoffs muss ein Platz unter den besten 24 her.

«Wir haben uns in der ersten Halbzeit ein bisschen versteckt», sagte Abwehrspieler Nico Schlotterbeck und sprach von einer verdienten Niederlage. Mats Hummels wurde bei Amazon Prime noch deutlicher: «Die erste Halbzeit war leider beinahe ein Totalausfall», kritisierte der frühere Dortmunder.

Tottenham geht früh in Führung

Nach zwei Spielen mit Joker-Einsätzen stand Serhou Guirassy beim Team von Trainer Niko Kovac mal wieder in der Startelf. Gegen die angeschlagenen Spurs, die zuletzt vom eigenen Publikum ausgepfiffen wurden und große Verletzungssorgen haben, wollte der BVB eigentlich früh Druck machen. Das klappte nicht. Nach einer Tottenham-Ecke bekamen die Westfalen den Ball nicht geklärt. Wilson Odobert passte den Ball scharf in die Mitte und Romero traf zum 1:0.

Die Führung gab den Gastgebern, bei denen Trainer Thomas Frank mächtig in der Kritik steht, Aufwind. Dass die Londoner fünf Pflichtspiele in Serie nicht gewonnen haben und in der englischen Premier League nur auf Platz 14 liegen, merkte man ihnen nicht an. Tottenham drückte. «Sie haben eine sehr gute Intensität gefahren. Wir sind damit nicht so gut klargekommen, wie wir klarkommen sollten», sagte BVB-Torwart Gregor Kobel zur Herangehensweise der Spurs. Der BVB hatte tatsächlich große Probleme.

Rot für den BVB nach VAR-Einsatz

Und die wurden noch größer. Svensson traf ganz leicht den Ball, aber auch Odobert mit gestrecktem Bein und offener Sohle. Der schwedische Schiedsrichter Glenn Nyberg gab zunächst Gelb. Nach Ansicht der Videobilder revidierte er seine Entscheidung und schickte seinen Landsmann vom Platz. «Mit der Roten Karte war die erste Halbzeit sehr bitter», sagte Schlotterbeck.

In Unterzahl mühte sich der BVB um Stabilität, doch die Spurs ließen das nicht zu. Erneut bereitete der auffällige Odobert über rechts vor. Der 21-Jährige tunnelte Borussen-Innenverteidiger Waldemar Anton und in der Mitte traf Solanke zum 2:0.

Guirassy zur Pause raus

Offensiv fand die Borussia quasi gar nicht statt. Guirassy trabte von links nach rechts, versuchte, Räume zuzulaufen. In gefährliche Positionen kamen er und seine Angriffskollegen nicht. Zur Halbzeit stand es nach Torschüssen 11:0 für Tottenham.

Für den zweiten Durchgang nahm Kovac in Guirassy und Julian Brandt zwei Offensivspieler runter und brachte in Emre Can und Julian Ryerson Defensivmänner. Die Dortmunder kamen nun besser in die Zweikämpfe und hielten die Spurs erfolgreicher vom eigenen Tor fern.

Der BVB zeigte sich zudem häufiger in der Nähe des gegnerischen Strafraums. Wirklich gefährlich wurde der Revierclub aber kaum. Ein Ryerson-Freistoß flog rund einen Meter am Tottenham-Tor vorbei. Der ebenfalls später eingewechselte Fábio Silva traf den Ball in guter Position nicht richtig. Schlotterbeck scheiterte per Kopf an Spurs-Keeper Guglielmo Vicario. Auf der Gegenseite verhinderte Kobel gleich bei mehreren Tottenham-Chancen den dritten Gegentreffer.