Seine Abschiedsankündigung an die «lieben Fans» des FC Bayern schloss Leon Goretzka mit einem entschlossenen «Mia san mia!» Ein Foto ziert den Instagram-Post des Fußball-Nationalspielers. Es zeigt ihn im Anzug mit einem roten Bayern-Trikot in den Händen, das die Jahreszahl 2026 ziert. 

Ins Auge stechen aber besonders drei Trophäen: der silberne Champions-League-Pokal, der DFB-Pokal und die Meisterschale. Die Botschaft ist klar: Goretzka will den deutschen Rekordmeister im Sommer mit «vollen Händen» verlassen, wie er selbst betont. Das heißt konkret, er möchte sich im WM-Jahr mit dem zweiten Triple nach 2020 aus München – und wohl auch aus der Bundesliga – verabschieden. 

32 Stunden vor dem Topspiel am Samstag (18.30 Uhr/Sky) beim Hamburger SV haben die Bayern und Goretzka Fakten geschaffen. Ende Mai endet der gemeinsame sportliche Weg, nach acht überwiegend erfolgreichen Jahren. 

Nach «turbulenten Tagen», wie Goretzka auf Instagram schrieb, schafften beide Seiten Klarheit. Der Mittelfeldspieler wechselt nicht noch in der am Montag endenden Winter-Transferperiode, sondern er geht im Sommer: ablösefrei.

«Diesem Team verpflichtet»

«So sehr mich das Interesse von internationalen Top-Clubs ehrt, so klar habe ich mich entschieden, dass ich bis zum Saisonende beim FC Bayern bleiben möchte», berichtete Goretzka. 2018 war er ebenfalls ablösefrei vom FC Schalke 04 nach München gewechselt. «Diesem Team und dem Verein fühle ich mich verpflichtet», äußerte Goretzka mit einigem Pathos.

Seine Zukunft dürfte im Ausland liegen. Das hatte er erst vor Kurzem in einem «Zeit»-Interview angedeutet. Es sei für ihn «der richtige Zeitpunkt, um noch einmal ein neues Kapitel aufzuschlagen: als Fußballer und als Mensch». Der gebürtige Bochumer ist bislang nur für deutsche Vereine aufgelaufen.

Die Trennung von Bayern und Goretzka kommt freilich nicht überraschend. Goretzka wird am 6. Februar 31 Jahre alt. Der Mittelfeldspieler mit dem hoch dotierten Millionenvertrag, der am 30. Juni ausläuft, war in den vergangenen Jahren permanent ein Verkaufskandidat. Und auch in diesen Tagen wieder. 

Weiter Bayern statt Atlético Madrid

Atlético Madrid galt als ganz heißer Interessent. Es sei «kein Wunder» gewesen, «dass es Nachfragen gibt, auch konkrete», bestätigte Bayerns Sportdirektor Christoph Freund am Freitag: «Leon hat sich auch damit beschäftigt.» Ebenso wie die Bayern, die aktuell – neben der Einsparung des hohen Monatsgehaltes – noch eine Ablösesumme hätten erzielen können. Im Sommer gehen sie leer aus.

Es ist imponierend, wie sich Goretzka beim Rekordmeister in der jüngeren Vergangenheit gegen alle Widerstände sportlich behauptet hat. Sogar eine Rückkehr in die Nationalmannschaft erarbeitete er sich, nachdem ihn Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht für die Heim-EM 2024 nominiert hatte.

Bayern-Coach Vincent Kompany schätzt Goretzkas professionelle Haltung. «Meine Beziehung zu Leon war immer gut und ehrlich. Ich freue mich auf die Momente, die wir noch gemeinsam genießen», sagte der Belgier vor seiner besonderen Rückkehr nach Hamburg. Von 2006 bis 2008 trug Kompany das HSV-Trikot. «Es war eine geile Zeit», sagte der ehemalige Verteidiger.

Pavlovic und Bischof gehört die Zukunft

Mit einer Startelf-Nominierung von Goretzka im Volksparkstadion könnte Kompany signalisieren, wie sehr er noch auf diesen in den letzten Monaten setzt. Die Zukunft im Münchner Mittelfeld gehört neben Goretzkas langjährigem Nebenmann Joshua Kimmich (30) längst Jüngeren; allen voran Aleksandar Pavlovic (21) und Tom Bischof (20). 

Dahinter lauern weitere Talente im Bayern-Nachwuchs, «die schnell spannend werden können», wie Freund bemerkte. Bei der Kaderplanung habe man die nächsten «sechs, zwölf, 18 Monate im Blick», erläuterte der Österreicher.

Nachdem nun der Schlusspunkt zwischen dem FC Bayern und Goretzka vereinbart ist, richten beide Seiten den Fokus auf die letzten gemeinsamen Ziele. «Leon fühlt sich extrem wohl mit dieser Mannschaft. Er ist ein wichtiger Teil davon. Es ist nicht vorbei, er wird die nächsten Monate mit der Mannschaft darum kämpfen, dass wir ganz große Dinge erreichen können», sagte Freund. 

Meisterschale, DFB-Pokal und der Henkelpott in Europas Königsklasse: Goretzka will «den maximalen Erfolg in dieser Saison». Erst mit Bayern – und dann «bei der WM» in Amerika mit der deutschen Nationalmannschaft.