Sie legten als Mitfavoriten auf den Aufstieg los – und versammeln sich nun im Tabellenkeller: Die Absteiger VfL Bochum und Holstein Kiel sowie die ambitionierten Clubs Hertha BSC und 1. FC Nürnberg haben den Saisonstart in der 2. Fußball-Bundesliga verpatzt. Die Gründe für die Ergebniskrise beim Favoriten-Quartett sind vielschichtig und teils unterschiedlich, doch das Ergebnis ist das gleiche: Der Druck steigt.

«Wir müssen uns bei den 39.000 entschuldigen für das, was wir heute auf den Platz gebracht haben – oder nicht auf den Platz gebracht haben», sagte Hertha-Trainer Stefan Leitl kleinlaut nach der 0:2-Pleite zu Hause gegen die SV Elversberg. 

Kein Sieg in vier Ligaspielen, Platz 17 und nur ein Tor – die Startbilanz beim selbst ernannten Aufstiegskandidaten ist desaströs. Noch besorgniserregender ist aber die Art und Weise, wie Fabian Reese und Co. zurzeit auf dem Platz agieren. 

Herthas Sportdirektor: «Respektlose Frage»

«Dass irgendetwas nicht stimmt, das sieht jeder. Es gibt bei euch einen Mannschaftsrat, der meldet sich bei mir, um zu erklären, woran es gelegen hat», forderte der Capo, der Vorsänger in der Hertha-Kurve, als sich die Profis nach dem Spiel vor die Ostkurve eine Standpauke abholten.

Es waren auch vereinzelte «Leitl raus»-Rufe im Olympiastadion zu hören. Angesprochen auf eine mögliche Trainerdebatte reagierte Sportdirektor Benjamin Weber im Sky-Interview wenig souverän: «Die Frage finde ich ein bisschen respektlos, sage ich ganz ehrlich. Ich werde darauf nicht antworten.»

Hilft Bochum ein neues Top-Talent aus Leverkusen?

Unruhige Zeiten durchlebt auch Trainer Dieter Hecking in Bochum. Durch das 1:2 gegen Preußen Münster rutschte der VfL auf Platz 16 ab. «Die Enttäuschung ist da, ist doch klar. Die Erwartungshaltung ist eine andere, wir wollen oben mitspielen», sagte Hecking. 

Dafür braucht es Tore, aber offensiv schwächelt Bochum. «Die Torgefahr geht uns momentan ab», haderte Hecking. Hilft ein Neuzugang? Von Bayer Leverkusen soll der 19-jährige Farid Alfa-Ruprecht ausgeliehen werden, der Rechtsaußen war am Samstag schon im Bochumer Stadion.

Klose hätte sich gerne selbst eingewechselt

Das Toreschießen ist aktuell auch für Nürnberg ein großes Problem. Beim 0:0 gegen den SC Paderborn hatte der «Club» genug Chancen – was Trainer Miroslav Klose am Seitenrand fast zur Verzweiflung brachte. «Am liebsten wäre ich selbst rein, aber das ging nicht», sagte der frühere Weltklassestürmer und Weltmeister von 2014. 

Eine Niederlage hätte Klose vielleicht sogar den Job gekostet. So aber versuchte er, den ersten Punktgewinn der Saison für das Tabellenschlusslicht als Erfolg zu werten. «Jeder fängt mal an mit einem an», sagte Klose. «Wir haben nicht die Ruhe, aber in der Situation ist das für mich völlig normal.»

Unruhig ist es auch in Kiel. Nach der 1:2-Heimniederlage gegen Ligaprimus Hannover 96 beträgt der Rückstand auf die Tabellenspitze bereits neun Punkte. «Wir müssen mehr Verantwortung mit dem Ball übernehmen», forderte Routinier Steven Skrzybski. In Panik verfalle man nach dem vierten Spieltag trotz der mageren Ausbeute von nur drei Punkten aber nicht: «Wir erkennen die Dinge, die wir verbessern müssen, und werden weiter daran arbeiten.»