Köln (dpa) –
Krawalle, Pöbeleien und null Punkte: Borussia Mönchengladbach taumelt weiter durch die Bundesliga. Statt zum erhofften Wende- wurde das rheinische Derby beim 1. FC Köln zum nächsten Tiefpunkt der bisher komplett verkorksten Saison.
Nach dem 1:2 schallte den Spielern des Tabellenletzten der ganze Frust der eigenen Fans vor dem Gästeblock entgegen. Zuvor hatten einige Gladbacher Anhänger mit Leuchtraketen, die teilweise auf die Tribüne mit Kölner Fans flogen, sowie einer Prügelei auf den Rängen auch den eigenen Sportchef schockiert.
Schröder: «Das gehört sich einfach nicht»
«Ich bin genauso Familienvater. Ich möchte keine Böller durch die Kurven fliegen sehen, wo ich das Gefühl habe, ich könnte am besten noch getroffen werden», sagte Rouven Schröder. «Das gehört sich einfach nicht.»
Nach dem 2:1-Siegtreffer für den FC durch Saïd El Mala in der 67. Minute waren Anhänger am Gästeblock im Oberrang des Kölner Stadions aneinandergeraten. Gladbachs-Fans traten Plexiglasschutzscheiben zwischen den Blöcken aus der Verankerung. Minutenlang prügelten sie sich mit Kölnern. Dann schritt die Polizei ein. Schiedsrichter Florian Badstübner unterbrach die Partie kurz.
Bemerkenswert positive Bewertung der sportlichen Leistung
Sportlich sah Schröder trotz der fünften Niederlage im fünften Ligaspiel beim Debüt von Trainer Alexander Blessin als Borussia-Coach Fortschritte. «Ich glaube, dass die Mannschaft sehr, sehr gut eingestellt und vorbereitet war», sagte der 50-Jährige. «Das will heute keiner von Gladbach hören und trotzdem gibt mir diese Leistung wirklich Mut», erklärte Mittelfeldspieler Philipp Sander.
Tatsächlich wirkte Gladbach defensiv etwas stabiler als zuletzt, kassierte erstmals in dieser Saison weniger als drei Gegentore. Zur Wahrheit gehört aber auch: Den Kölnern, bei denen gleich zwei zentrale Stürmer ausfielen, reichte ein allenfalls durchschnittlicher Auftritt, um die Borussia zu besiegen. Individuelle Fehler in der Abwehr und zahlreiche Situationen, in denen die Gladbacher bei aussichtsreichen Angriffen die falschen Entscheidungen trafen, begünstigten das.
Blessin: «Kante zeigen»
Was stimmte, war der Einsatz. «Ich habe eine Mannschaft gesehen, die gelebt hat, die 90 + 7 alles reingeworfen hat», sagte Blessin. Obwohl seinen Spielern von den eigenen Fans Unmut entgegenschallte, brachte der 53-Jährige die Profis dazu, länger vor dem Gästeblock zu bleiben. «Da müssen wir einfach auch Kante zeigen», sagte Blessin. «Es war mir enorm wichtig, damit zu dokumentieren, dass die Jungs alles reingeworfen haben.»
Er sei sich sicher: «Wenn die Jungs so weiterarbeiten, dann werden auch die Punkte kommen.» Sander sieht das ähnlich. «Wir haben eine Menge Arbeit vor uns. Aber ich glaube an die Truppe», sagte der 28-Jährige. «Wir werden über die nächsten Wochen eine Entwicklung nehmen und Punkte einfahren, das kann ich euch schon mal sagen.»
Matthäus: Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag
Lange sollten die Gladbacher damit aber nicht mehr warten. Verliert die Borussia auch in der kommenden Woche gegen den Tabellenvorletzten TSG Hoffenheim, droht der Abstand auf die Nicht-Abstiegsplätze schon früh in der Saison groß zu werden. Aktuell liegt der nächste Gegner drei Punkte vor Gladbach.
Rekordnationalspieler Lothar Matthäus sieht seinen ehemaligen Club in ganz großer Not. «Mönchengladbach wird in diesem Jahr nicht nur bis zum 20. oder 25. Spieltag gegen den Abstieg spielen, sondern bis zum letzten Spieltag», sagte der Experte, der von 1979 bis 1984 für Borussia spielte, in der Sendung Sky90.
Matthäus sagte weiter: «Wenn du gleich nach drei, vier Spieltagen einen Trainer auswechseln musst, dann ist es natürlich so, dass du schlechte Ergebnisse hast, plus einen Neuanfang, der natürlich dann auch nicht von einem Tag auf den anderen funktionieren kann.»
