2. Bundesliga

Reese zurück bei Hertha – warum die Wut so groß ist

Fabian Reese (v) ist auch in Wolfsburg ein Leistungsträger. (Archivbild)

Einen kleinen Vorgeschmack auf seinen Empfang bei der brisanten Rückkehr nach Berlin gab es für Wolfsburgs Fabian Reese in den vergangenen Wochen schon. Trotzdem wird die Wut von den prall gefüllten Rängen im Olympiastadion noch mal eine neue Dimension annehmen. 

«Ich glaube, ich wurde in den letzten Wochen darauf ganz gut vorbereitet. Die Dezibel-Rate wird etwas höher sein», sagte der 28-Jährige dem NDR vor dem Spitzenspiel der 2. Fußball-Bundesliga am Samstagabend (20.30 Uhr/Sky und RTL Nitro). Die Berliner sind überraschend Tabellenführer mit schon neun Punkten Vorsprung auf den VfL. 

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Im Sommer war der Ex-Kapitän der Hertha zum Ligakonkurrenten nach Niedersachsen gewechselt. Seitdem entlädt sich eine Welle der Wut über den Offensivspieler – in sozialen Medien und von den Rängen.

Warum der Wechsel für so viel Ärger sorgte

Reese, Hertha und Berlin, das war lange eine innige Liebesbeziehung. Unmittelbar nach seiner Ankunft 2023 wurde der 28-Jährige Publikumsliebling und Leistungsträger. Zweimal verlängerte der umworbene Angreifer – samt emotionaler Bekenntnisse. 

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Reese kokettierte mit der Fußballromantik und wurde für seine authentische Art verehrt. Doch auch der mutmaßlich beste Spieler der zweiten Liga konnte die Hertha nicht zurück in die Bundesliga führen. Es kam zur Trennung.

Besonders das Ziel nahmen viele Hertha-Fans und Anhänger anderer Clubs dem 28-Jährigen übel: Der VfL gilt vielen als Konzern-Club. Dazu ist er seit dieser Saison noch Ligakonkurrent der Berliner. Seinen Traum von der Bundesliga erfüllte sich Reese mit dem Wechsel also nicht sofort.

Was über Reese hereinbrach

In den sozialen Medien gab es viel Wut und Anfeindungen gegen Reese und auch seine Verlobte. Dazu wurde der 28-Jährige auch von Fans anderer Clubs ausgepfiffen, die mit der Causa wenig bis gar nichts zu tun haben. Beim Pokalspiel in Berlin gegen Altglienicke, in Karlsruhe und Nürnberg sowie von Cottbus-Fans. «Ziemlich viel Meinung für manchmal ziemlich wenig Hintergrundinformationen», sagte Reese. 

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Dass ihn die heftigen Reaktionen treffen, ließ er zuvor schon durchblicken. In den letzten Wochen sprach er kaum öffentlich und schaltete seinen Instagram-Account ab.

Viele Kollegen und Trainer äußerten Unverständnis für die Angriffe. Auch Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich sagte bei «At Broski – Die Sport-Show»: «Ich bleibe dabei: Fabi hat es nicht verdient, er hat bei uns einen Top-Job gemacht.»

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Darum taugt der Abgang nicht als Skandal

Es geht um die Hintergrundinformationen, auf die Reese anspielt. Der «Süddeutschen Zeitung» erzählte er, dass die klammen Berliner mit einem Verkaufswunsch an ihn herangetreten seien. Das verneinte Görlich zwar, räumte aber ein, dass der Transfer «uns tatsächlich am Ende des Tages auch aufgrund des Umfangs gut zu Gesicht gestanden hat». 

Fakt ist: Die Hertha war im Sommer dringend auf Transfereinnahmen angewiesen. Wolfsburg soll acht Millionen Euro gezahlt haben. Branchenübliche Reflexe wie öffentliche Wechselforderungen gab es von Reese nicht. Der Transfer ging zwischen den Clubs geräuschlos über die Bühne.

Das erwartet Reese im Olympiastadion

70.000 Fans kommen ins Olympiastadion, die allermeisten halten es mit Hertha. Der Hauptstadtclub äußerte Verständnis dafür, dass ein Wechsel «Enttäuschung und Emotionen auslösen kann». Zugleich betonte Hertha: «Wir wünschen uns, dass Fabian bei seiner Rückkehr den Respekt erfährt, den er sich bei uns erarbeitet hat.» Trotzdem wäre es überraschend, wenn es nicht viele Pfiffe gibt. Allerdings äußerten sich bei Instagram auch einige Fans, die um einen fairen Umgang warben. Sportlich könnte es bei Hertha ohnehin nicht besser laufen.

Er freue sich auf das Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern, sagte Reese: «Auch nicht jeder Fan wird pfeifen und meine Familie wird im Stadion sein.»